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Field Reports

Warum Agentic-Coding-Agenturen das nächste Lock-in sind

Schnellere Lieferung durch KI — oder neues Lock-in? Warum proprietäre Agentic-Stacks und Retainer dem klassischen Agenturmodell ähneln.

Der erste Agentic-Coding-Auftrag fühlt sich an wie Fortschritt: schnellere PRs, mehr Autonomie, weniger manuelles Tippen. Wenn derselbe Partner aber Stack, Tooling, Prompts und Betriebs-Runbooks außerhalb eures Repos und eurer CI hält, entsteht nach dem Proof-of-Value genau die Abhängigkeit, die klassische Software-Agenturen jahrzehntelang verkauft haben — nur unter einem neuen Label.

Drei Schichten, die brechen, wenn der Partner weg ist

  1. Workflow-Lock-in — Orchestrierung, Reviews und Freigaben laufen über proprietäre Konventionen. Ohne eure eigenen ADRs, Hooks und Qualitäts-Gates sitzt das Wissen in Slack-Threads und in den Köpfen des Dienstleisters, nicht in versionierten Artefakten in eurem Unternehmen.

  2. Kontext-Lock-in — Die „Memory”-Schicht, RAG-Indexe und System-Prompts leben auf fremder Infrastruktur. Der produktive Pfad funktioniert — bis ihr die Kündigung schreibt. Dann fehlt die Wahrheitsschicht, auf der eure Features standen.

  3. Wirtschafts-Lock-in — Abonnements für geschlossene Agent-Runtimes, pro-Seat-Lizenzen und 24/7-Retainer ersetzen Stundensätze, nicht das Geschäftsmodell. Die Wechselkosten steigen, weil das System nur mit dem Anbieter stabil ist.

Was sich von klassischen Agenturen unterscheidet — und was nicht

Der Unterschied ist Tempo und Sprache, nicht die Struktur. Statt reiner Body-Leasing-Sprints kommen vorgefertigte Pipelines, „beste Prompts” und getunte IDEs. Solange Code, Tests und Betriebs-Playbooks in eurem Git, eurem Cloud-Account und eurem Observability-Stack leben, bleibt ihr Eigentümer. Sobald der Kerntreib von außen kommt, verlagert sich eure Fähigkeit zu liefern — analog zu monolithischen Integrationsverträgen, die heute kein Finanzcommitee mehr blind unterschreibt.

Was Teams prüfen sollten

  • Exit-Test: Könnt ihr in 30 Tagen ohne den Anbieter deployen, inkl. CI, Security-Scans und On-Call?
  • Artefakt-Test: Liegen ADRs, Skills, Hooks und Operator-Runbooks in eurem Repo und sind sie von eurem Team reviewbar?
  • Kosten-Test: Welcher Anteil der Laufkosten ist Austausch (eigene Lizenzen) vs. Vendor-Tax (closed runtime)?

Meinung, keine Rechts- oder Einkaufsberatung — aber: agentic heißt nicht automatisch entkoppelt. Ohne bewusste Handover-Architektur wird aus dem Hype schnell das nächste Lock-in.

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